Museum Wiesbaden, eine atmosphärische Beschreibung

Ich kenne es aus Zeiten in denen dort hauptsächlich die Naturhistorische Sammlung beherbergt war.
Als Studentin habe ich in diesem Museum viel Zeit zugebracht im Fach wissenschaftliche Illustration. Was bedeutet, dass wir dort Bienen und Küchenschaben mit Hilfe eines Okkulars in wissenschaftlicher Manier zeichneten. Heute ist die naturhistorische Sammlung geschlossen und wird neu sortiert.
Was mich dort hin trieb war ein neues Jahr mit neuen Vorhaben und die Neugierde, was die Wiesbadener denn so treiben in Sachen Kunst und Museum, wo ich mir sonst eher Ausstellungen in Frankfurt am Main anschaue. Ich weiß, dass die Sanierung des Museums 2006 fertiggestellt wurde und habe die neuen Räume noch nicht gesehen.
Bis zum 18. Januar ist dort noch eine Minimalismus Ausstellung mit Arbeiten aus dem Moma beherbergt, dazu aber später (in einem inhaltlich getrenntem Beitrag).

Hinter der neuen Eingangstür wartet das Entrée, sprich eine Theke hinter der zwei Service Mitarbeiter auf die strömenden Besucher warten, sie über die ständigen und aktuellen Ausstellungen informieren, Eintrittsgeld erheben und einen mit seinen Taschen erstmal in die Garderobe schicken, weil große (die Definition wurde nicht genau vorgenommen) Taschen in Museumsinnenräumen nicht erlaubt sind. Was nichts Neues ist. Soweit so gut. In der Nähe der Garderobe entdecke ich noch einen Workshopraum in dem gerade unterrichtet wird in Sachen Acrylmalerei. Prima, es wird versucht das Museum zu beleben denke ich. Besonders voll ist es an so einem Wochentag Nachmittag nicht, um genau zu sein bis auf 2 weitere Personen bin ich die einzige Besucherin. Ich gehe durch die große alte Eingangshalle, die sehr beeindruckend ist weiter zum ersten Ausstellungsraum und komme mir ersteinmal etwas unbeholfen vor. Die räumliche Aufteilung in die unterschiedlichen Ausstellungen ist mir nicht ganz klar, Räume gehen ineinanderüber, ich klack-klacker mit meinen Absätzen auf dem Boden, dass es weithin hörbar ist. In jedem Raum den ich betrete sitzt ein anderer Museumswächter, der schnell aufspringt, wenn er meine Klackklackschritte sich nähern hört. Ich lese, schaue mich um, lasse wirken und suche weiter. Manches was ich sehe macht mir Spaß, aber insgesamt komme ich mir selber vor wie der Teil einer Inszenierung. Ich drehe mich, da ist noch ein  Durchblick in den nächsten Raum, hinter dem Pfosten verschwindet wieder ein mich beobachtender Wärter, die Räume sind groß weit und hell mit architetkonisch wohl inszenierter Lichtführung. Ein Kunsttempel.

Da stehe ich nun als kleine Grafikerin in dem ehrfurtchtverheißenden Ambiente der Werke derer, die es bis ins Moma geschafft haben. Die Architektur ist so schön, dass sie die Bilder fast überflüssig macht. Ich entscheide mich, dass es so nicht geht, konzentriere mich letzendlich auf die ausgestellten Arbeiten. Bekomme wieder Boden unter die Füße. Trinke am Ende im roten Museumscafe noch einen Milchkaffee und gehe im Kopf das Gesehene noch einmal durch. Doch. Sobald man vergißt, in einem Kunsttempel zu sein, lohnt sich der Gang. Der verbleibende Eindruck mancher gesehener Arbeiten macht den Kopf frei und arbeitet dort weiter, sehr inspirativ und am besten in meiner Erinnerung verankert sind die Arbeiten von Rebecca Horn.  Nur das Gefühl “aber irgendwie, würde ich mir Museen anders wünschen” das bleibt.

aktuelle Ausstellungen:
Lines, Grids, Stains, Words
Zeichnungen der Minimal Art aus dem Museum of Modern Art New York

und

Brice Marden Jawlensky Preisträger
Retrospektive der Druckgraphik

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